
Es gibt noch so viele offene Fragen.
Bei dem Brand in der Silvesternacht war nach ersten Ermittlungen durch funkensprühende Partyfontänen Schaumstoff an der Decke der Bar in Brand geraten. Er hatte sich innerhalb kürzester Zeit ausgebreitet. Neben den mindestens 40 Todesopfern wurden 119 Menschen größtenteils schwer verletzt. Deutsche sind nach Angaben der Polizei nicht darunter.
Feuer-Tragödie in Crans-Montana: Alle neuen Entwicklungen im Live-Ticker
Besitzerpaar soll erstmals vernommen werden
Gut eine Woche nach der Brandkatastrophe in einer Bar im Skiort Crans-Montana wollen die Schweizer Ermittler am Freitag erstmals die französischen Betreiber vernehmen. Wie die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus Ermittlerkreisen erfuhr, sollen Jacques und Jessica Moretti, gegen die wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung ermittelt wird, von der Staatsanwaltschaft in der nahegelegenen Stadt Sitten befragt werden.
Das Ehepaar hatte sich am Dienstag in einer Erklärung zur „vollständigen Zusammenarbeit“ mit den Ermittlungsbehörden bereit erklärt. „Wir werden in keiner Weise versuchen, uns diesen Dingen zu entziehen“, erklärten die Morettis. Beide seien „am Boden zerstört und voller Trauer.“

Frankreichs Präsident Macron wird zur Trauerfeier erwartet
Die Schweiz gedenkt am Freitag mit einem nationalen Trauertag und einer Zeremonie der Opfer der Brandkatastrophe im Skiort Crans-Montana. Die Veranstaltung um 13.45 Uhr in der nahe gelegenen Gemeinde Martigny gilt nicht nur den 40 Toten, sondern auch den rund 120 großteils Schwerverletzten, wie es vom Kanton Wallis heißt.
Um 14 Uhr sollen in der ganzen Schweiz die Kirchenglocken im Gedenken an das Inferno der Silvesternacht läuten. Bei der Gedenkfeier werden nach Angaben der Nachrichtenagentur Keystone-SDA rund 1.000 Menschen erwartet. Nicht nur Opfer-Familien und die Schweizer Staatsspitze mit Präsident Guy Parmelin stehen auf der Gästeliste. Auch die Staatsoberhäupter Frankreichs und Italiens, Emmanuel Macron und Sergio Mattarella, werden erwartet.
Haut von Toten hilft Brand-Opfern von Crans-Montana
Eine Woche nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana haben Zürcher Spitäler von einem Lieferanten bisher 9,3 Quadratmeter Spenderhaut für Brandopfer erhalten. Das teilte die niederländische Gewebebank der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Außerdem habe die Gewebebank Spenderhaut auch nach Leipzig geliefert, wo drei Schweizer Brandopfer behandelt werden, hieß es.
Die Haut von toten Spendern sei zum Universitätsspital und zum Kinderspital Zürich gebracht worden, so die Gewebebank „TB-BISLIFE. „Glücklicherweise zeigten sich die Schweizer Zollbehörden sehr kooperativ und ermöglichten eine verzögerungsfreie Abfertigung der Spenderhaut“, sagte ein Sprecher der Gewebebank in Haarlem der Agentur.
Die Spenderhaut wird als temporärer Hautersatz eingesetzt, um die Wunden schwer brandverletzter Patientinnen und Patienten zu schützen, Infektionen zu verhindern und die Heilung zu unterstützen, bis das Einsetzen körpereigener Haut möglich ist.
Tausende nehmen in Italien an Begräbnis von vier Todesopfern teil
Eine Woche nach der Brandkatastrophe im schweizerischen Crans-Montana sind in Italien vier dort gestorbene Jugendliche unter öffentlicher Anteilnahme Tausender Menschen beerdigt worden. In der norditalienischen Metropole Mailand nahmen zahlreiche Menschen an den Begräbnissen der beiden 16-Jährigen Achille Barosi und Chiara Costanzo teil. Im norditalienischen Bologna wurde der 16-jährige Giovanni Tamburi beigesetzt, in der Hauptstadt Rom der gleichaltrige Riccardo Minghetti.
Im winterlich kalten Mailand war die unweit des Doms gelegene Basilika Santa Maria delle Grazie für die Beerdigung von Chiara Costanzo überfüllt, zahlreiche Menschen warteten vor dem Gotteshaus. Als der Sarg mit der Teenagerin aus der Kirche getragen wurde, applaudierte die Menschenmenge - wie in Italien bei Begräbnissen mit großer Anteilnahme üblich.
Ihr Vater Andrea Costanzo sagte bei der Trauerfeier, Italien habe mit seiner Anteilnahme "bemerkenswerte Menschlichkeit und Sensibilität bewiesen". Nun müsse die Brandkatastrophe jedoch "vollständig aufgeklärt" werden.
action press
action press
Club-Besitzer äußern sich ausführlich nach der Todes-Nacht
In einem langen Statement, das dem Schweizer Blick vorliegt, melden sich Jessica und Jacques Moretti, die Betreiber der Bar „Le Constellation" ausführlich zu Wort.
Die Stellungnahme im Wortlaut:
„Keine Worte können die Tragödie, die sich in jener Nacht im Constellation ereignete, angemessen beschreiben. Dieser Ort der Feier verwandelte sich plötzlich in einen Ort des Grauens und der Angst.
Wir sind am Boden zerstört und von Trauer überwältigt. Unsere Gedanken sind unaufhörlich bei, den Angehörigen der Opfer, den Opfern, die so brutal und viel zu früh aus dem Leben gerissen wurden, und bei all jenen, die um ihr Leben kämpfen.
Keine Worte können wirklich ausdrücken, was Polizei, Rettungskräfte und medizinisches Personal mit Mut, der an Heldentum grenzt, durchgemacht haben und weiterhin durchmachen. Ihnen gilt unser tiefster Dank und Respekt.
Wir möchten auch all unseren Mitarbeitern, die von dieser Tragödie schwer betroffen sind, unsere uneingeschränkte Solidarität aussprechen. Wir sind in Gedanken bei ihnen, da uns die laufenden Gerichtsverfahren derzeit einen persönlichen Kontakt untersagen.
Aus Respekt vor der Zeit der Trauer und des Gedenkens, die diese Tragödie erfordert, und auch aufgrund des aktuellen Ermittlungsstands werden wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nur in diesem Kontext äußern und haben vollstes Vertrauen in die Ermittler, den Sachverhalt aufzuklären und alle Fragen zu beantworten. Seien Sie versichert, dass wir uneingeschränkt kooperieren und keinerlei dieser Angelegenheit ausweichen werden.
Abschliessend möchten wir uns bei allen bedanken, die uns ihre Unterstützung zugesichert haben. Sie ist für uns von unschätzbarem Wert.
Wir werden nun von Frau Yaël Hayat, Frau Nicola Meier und Herrn Patrick Michod unterstützt. Mit all unserem Mitgefühl, Jessica und Jacques Moretti."
Keine Pyrotechnik in geschlossenen Räumen mehr
Als Sofortmaßnahme hat die Gemeinde beschlossen, die Verwendung von sämtlichen pyrotechnischen Gegenständen in geschlossenen Räumen zu verbieten. Das Inferno in der Bar Le Constellation in der Silvesternacht wurde nach bisherigen Ermittlungen durch eine funkensprühende Partyfontäne ausgelöst. Sie setzte den Erkenntnissen zufolge Schaumstoff an der Decke in Brand. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus.

Gemeinderat schließt Rücktritt aus
Auf die Frage eines Journalisten, ob ein Rücktritt im Raum stehe, antwortet Bürgermeister Féraud: „Wir verlassen das Schiff nicht, wenn mal ein Sturm auftritt." Die Politiker seien vom Volk gewählt worden. Man stelle sich allen Fragen und würde versuchen, auf alles eine Antwort zu finden.
Katastrophe in der Schweiz durch Partyfontäne ausgelöst
Das Inferno in der Bar Le Constellation in dem Schweizer Skiort wurde nach bisherigen Ermittlungen durch eine funkensprühende Partyfontäne ausgelöst. Sie setzte den Erkenntnissen zufolge Schaumstoff an der Decke in Brand. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus.
Nach tödlichem Unglück in Crans-Montana: Zeigen diese Bilder den Beginn des Brandes?
Die Schweiz plant am 9. Januar einen nationalen Trauertag und eine Gedenkfeier für die Opfer. Die Gemeinde legte online ein Kondolenzbuch auf. Als Erster schrieb darin Bundespräsident Guy Parmelin: „Allen trauernden Familien, allen Opfern sage ich erneut mit Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit: Ihr Leid ist auch unser Leid.“ Er werde an der Gedenkfeier in Crans-Montana teilnehmen. Ob andere Staatschefs anreisten, sei noch unklar, sagte er in Zeitungsinterviews.
Zu Beginn der Trauerfeier in Crans-Montana sollen im ganzen Land die Kirchenglocken läuten, begleitet von einer landesweiten Schweigeminute, wie Parmelin weiter sagte.
